Rymarov – Tschechien

Das Gebiet des Kreises Bruntal und damit auch von Rýmařov  liegt in der schlesischen Senke, die sich aus dem polnischen Gebiet von Oberschlesien bis in die Gegend von Ostrava (Ostrau) erstreckt. Gegen Westen hin wird das Gebiet von dem hohen Altvatergebirge (Hrubé Jeseníky) mit dem höchsten Berg Praděd (1.491 m) begrenzt. Die Region ist – abgesehen von der Höhe – durchaus mit dem Vogelsberg zu vergleichen. Neben dem Charakter des Mittelgebirges ist die Region ähnlich waldreich wie der Vogelsberg. Vergleichbar ist auch die durchschnittliche Bevölkerungsdichte. Positiv hebt sich die Gegend im Vergleich zu anderen Regionen in der Tschechischen Republik durch die noch weitgehend intakte Umwelt ab.

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Im Frühjahr 1993 weilte eine Delegation von fast zwanzig Bürgermeistern aus dem tschechischen Kreis Bruntal (Freudenthal) zu Besuch im Wetteraukreis. An einem der Besuchstage ergab es sich, dass der Landrat des Wetteraukreises mit seinen Gästen nach einem Aufenthalt auf dem Hoherodskopf der Stadt Schotten einen Besuch abstattete, um die Gäste über die vielfältigen partnerschaftlichen Aktivitäten der Stadt Schotten zu informieren. Bei dieser Gelegenheit gab es zwischen dem damaligen Bürgermeister der Stadt Rýmařov, Miroslav Slovaček, und seinem damaligen Schottener Kollegen H. O. Zimmermann den ersten Kontakt.

Dabei ist es jedoch nicht geblieben. Nachdem man sich drei Jahre lang durch einen regen Austausch von Vertretern beider Städte und Vereine näher kennen- und schätzengelernt hatte, wurde Im Jahr 1996 von den beiden Stadtparlamenten beschlossen, eine offizielle Partnerschaft zu begründen.

Die Vertragsunterzeichnung fand anlässlich der Verleihung der Ehrenfahne des Europarates an die Stadt Schotten im Oktober 1996 in Schotten statt. In Rýmařov erfolgte die Gegenunterzeichnung im Frühjahr 1997.

Weitere Partnerschaften mit:
Partnerschaftsvertrag mit
Zeil am Main

Historisch gesehen ist Rýmařov eine Siedlung der zweiten Hälfte des Mittelalters. Eine erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen Reymarstadt –vermutlich benannt nach dem Namen des Gründers- datiert von 1350. Da 1350 in den Unterlagen des Bistums Olmütz bereits an dem Ort eine Pfarrei erwähnt wird, muss angenommen werden, dass Römerstadt viel älter ist. Als Wappen führt Rýmařov einen in der Mitte von einem Pfeil durchbohrten Wolf. Unklar ist, ob der Wolf nach rechts gerichtet ist, wie auf dem in Stein gehauenen Wappen über der Eingangstür des Rathauses, oder ob er nach links gerichtet ist, wie es in dem derzeit gebräuchlichen Wappen dargestellt wird.

Bereits im Jahr 1406 verlieh Markgraf Jodok dem Ort das Stadtrecht nach dem Muster des “Olmützer Stadtrecht“, das in der folgenden Zeit immer wieder von den Regenten, beispielsweise 1537 Kaiser Ferdinand I oder 1654 Kaiser Ferdinand III, bestätigt wurde. Römerstadt war aber meistens nicht Sitz einer eigenen Herrscherfamilie, sondern wurde wiederholt verpfändet. Bis zum Ende des 1.Weltkrieges 1918 gehörte die Region dann zum Habsburgischen Kaiserreich. 1918 erfolgte die erste eigene Staatsgründung mit der Bildung der Tschechoslowakei, der Hauptstadt Prag und dem ersten Staatspräsidenten (1918 – 1935) Tomáš Garrigue Masaryk. Mit dem “Münchner Abkommen“ von 1938 erzwang Hitler-Deutschland den Anschluss der überwiegend von Deutschstämmigen bewohnten Gebiete an das Deutsche Reich.

Die Region um Rýmařov wurde bekannt wegen ihres Erzreichtums (Gold, Silber, Eisen, Kupfer, Blei und Zink). Zahlreiche Pingen (keil-, graben- oder trichterförmige Vertiefungen), Halden und Schachtlöcher erinnern heute noch daran. Die ersten Bewohner waren wohl auch deutsche Bergleute aus dem Erzgebirge. Die Blütezeit von Römerstadt fällt in die Jahre von 1532 bis 1552, während der eine große Zuwanderung von Bergleuten in den Bezirk erfolgte, was eine Vermehrung der Ortschaften um Römerstadt zur Folge hatte. Römerstadt blieb aber Mittelpunkt des Bergbaugebietes. Eine erste Bergordnung datiert aus dem Jahr 1528.

Nach dem Rückgang des Bergbaubetriebs gewann die Leinenweberei die Oberhand. Auch hier waren es in erster Linie deutsche Weber aus dem nordböhmischen Niederland, welche diese aufbauten. Erzeugt wurden Leinen- und Damastwaren, später auch Seiden, Juten- und Baumwollwaren. Mit der Weberei in Verbindung standen Bleichereien, Färbereien, Mangel- und Appreturanstalten. Auch Strumpfwirkerei und Gerberei wurden in größerer Ausdehnung betrieben.

Bildung

Komunalpolitik
Im Oktober 2018 haben in Tschechien Kommunalwahlen stattgefunden. In unserer Partnerstadt Rýmařov waren einschließlich der Positionen des Bürgermeister, seines Stellvertreters und der ehrenamtlichen Stadträte entsprechend der Einwohnerzahl insgesamt 21 Personen zu wählen.
Aus insgesamt neun Parteien oder Gruppierungen setzen sich die 21 Personen zusammen, wobei die sozialdemokratische Partei (ČSSD) mit 4 Vertretern die stärkste Fraktion bildet, aber an den neuen Leitungsgremien nicht beteiligt ist.

Am 26.10.2018 wurde dann von 12 gewählten Vertretern der Fraktionen PRO Gesundheit & Sport, SNK Europäische Demokraten, KDU-ČSL, Christdemokratische Union, der SPORT-Bewegung, KSČM- Kommunisten und SPD-“Freiheit und direkte Demokratie“ für die kommende Legislaturperiode von vier Jahren ein Koalitionspapier unterzeichnet.

In dem 15-Punkteprogramm werden die Themen aufgelistet, mit denen sich die Koalition in den kommenden vier Jahren befassen will. Darunter sind so zentrale Themen wie “Wirtschaft“ und “Haushalt“, Förderung der Nutzung bestehender Industriezonen und Schaffung neuer Arbeitsplätze, aber auch Verbesserungen im Bereich Bürgerschutz und des Eigentums der Bürger. Weitere Themen sind ein funktionierendes soziales Netzwerk, die Unterstützung der Kultur und Pflege der Kulturdenkmale sowie die Sanierung von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden, die im städtischen Besitz stehen. Der Aufbau eines Radwegenetzes und Einbindung in das überregionale Radwegenetz sind ebenso Thema wie die Unterstützung von kleineren und mittleren Unternehmen bei ihrer Entwicklung unter Inanspruchnahme von Fördergeldern der Europäischen Union.

Weiterhin befasst sich der Koalitionsvertrag mit der Aufgabenverteilung zwischen Bürgermeister, Vizebürgermeisterin und den ehrenamtlichen Stadträten, die alle ein bestimmtes Ressort verantwortlich zu leiten haben.

Am Ende verständigten sich die Koalitionäre darauf, den gewählten Vertreter Ing. Luděk Šimko zum neuen Bürgermeister zu wählen, nachdem der bisherige Stelleninhaber nach 16 Jahren nicht mehr für das Amt zur Verfügung stand. Luděk Šimko hatte zuletzt die Stelle des Leiters der Stadtverwaltung inne und dürfte bestens mit den Internas vertraut sein.

Ebenso wurde vereinbart, dass die bisherige Direktorin der Firma BYTERM Rýmařov, einer Art Wohnungsbaugesellschaft für die Verwaltung, Vermietung und Sanierung eines Großteils der städtischen Wohnungen, Ing. Lenka Vavřičkovou, zur Vizebürgermeisterin gewählt werden sollte. Auch hier stand die bisherige Amtsinhaberin Marcela Stańková nach 4 Jahren nicht mehr zur Verfügung, hat aber das Amt einer ehrenamtlichen Stadträtin übernommen.

Beide neuen Kandidaten wurden in geheimer Wahl bei jeweils 14 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung gewählt und noch am Abend des 1. Novembers in ihr Amt eingeführt.

Kultur, Freizeit und Leben

Sport

Arbeiten und Leben in der Gebirgsregion Jeseníky
Land- und Forstwirtschaft sind in der Region noch stark vertreten. In Rýmařov selbst ist der größte Arbeitgeber vor Ort die Firma RUD, ein Fertighausbauer, der seine Häuser nach einer Lizenz der ehemaligen bundesdeutschen Fertighausfirma OKAL baut. Durch die ökonomischen Reformen nach der politischen Wende haben sich zunächst die Strukturen in der Wirtschaft stark verändert, und nach und nach wurden die ehemaligen Staatsbetriebe durch kleine und mittelständische Privatbetriebe ersetzt. In der kommunistischen Zeit gehörte die Firma HEDVA, ein textilverarbeitender Betrieb mit zeitweise bis zu 1.700 Mitarbeiterin*innen zu den größten Arbeitgebern in Rýmařov. Heute sind dort nur noch etwa 10 % der ursprünglichen Mitarbeiter beschäftigt, die sich aber auf besondere Erzeugnisse spezialisiert haben, weil die textile Massenware auch in der Tschechischen Republik heute überwiegend aus Fernost kommt.

Tourismus
Aufgrund der reizvollen Landschaft und der Nähe zum Gipfel des Praděd (Altvater) gewinnt der Tourismus immer mehr an Bedeutung.

Rýmařov und die Region (Rýmařovsko)
Den Kern der Stadt Rýmařov bildet ein im Rechteck bebauter, geräumiger ehemaliger Haupt- und Ringplatz, in dessen Mitte das mit einem Turm versehene Rathaus steht. Dieses wurde in seiner gegenwärtigen Gestalt nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1790 erbaut. Am Ostersamstag, den 03.04.1790 brach bei heftigem Wind in der Vorstadt ein Feuer aus, welches sich rasch ausbreitete und dem 135 Häuser, 64 Scheunen und Wirtschaftsgebäude mit Malz- und Bräuhaus, das Rathaus und die Fronfeste zum Opfer fielen.

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Auf einer kleinen Anhöhe in der Stadt liegt die Pfarrkirche, die dem heiligen Erzengel Michael geweiht ist. In der jetzigen Form wurde die Kirche nach einem ebenfalls umfangreichen Brand im Jahr 1609 als protestantisches Gebetshaus aufgebaut und 1618 vollendet. Bis 1625, mit kurzzeitigen Unterbrechungen, war die Pfarrkirche protestantisch. Dies galt während der Reformationszeit und der Zeit der Hussiten für weite Teile von Böhmen und Mähren. Erst durch die Gegenreformation – unterstützt durch das habsburgische Haus – wurde die Region wiederum dem katholischen Glauben zugeordnet.

Außerhalb der Vorstadt steht auf einer leichten Anhöhe, auf einem von Linden umgebenen Platz, daher meist “Lindenkirche“ genannt, die barocke Kirche zu Maria Heimsuchung. Diese Kirche wurde in ihrer jetzigen ovalen Form in den Jahren 1710 – 1718 errichtet und im barocken Stil ausgemalt. Das Innere der Kirche wird ebenfalls von einem wunderbar gestalteten Hochaltar geprägt.

Nach der Vertreibung der Sudetendeutschen im Jahr 1946 haben die Kirchen in Tschechien im Allgemeinen sehr gelitten. Dies galt auch für die beiden Kirchen in Rýmařov. Während die Pfarrkirche lange um eine Renovierung zu kämpfen hatte, ist die “Lindenkirche“ mit Hilfe und Unterstützung der katholischen Patenkirchengemeinde Zeil am Main vor einigen Jahren im Inneren in hervorragender Weise restauriert und renoviert worden, so dass sie heute ein künstlerisches Kleinod und eine Attraktion darstellt. Deshalb sollte bei einem Aufenthalt in Rýmařov auf jeden Fall der “Lindenkirche“ ein Besuch abgestattet werden.

Westlich von Rýmařov liegt der Ort und heutige Stadtteil Janovice (Janowitz ) mit einem Schloss im Barockstil aus dem Jahr 1662, das bis zum Jahr 1946 im Besitz der Grafen von Harrach war. In den Jahren 1945 und 1946 diente das Schloss als Internierungs- und Aussiedlungslager für die Deutschen. Danach wurde es vom tschechischen Staat als Archiv geführt. In der Zwischenzeit hat die Stadt Rýmařov zum überwiegenden Teil die Anlage übernommen, und schrittweise wird das Schloss restauriert und renoviert.

Ähnliches gilt für die Burg Sovinec (Eulenburg), eine Burganlage aus dem 14. Jh., die lange Zeit – bis zur Besetzung durch Nazi-Deutschland – dem Deutschritterorden gehörte. Bis zum Jahr 1943 wurde die Burg als Gefangenenlager für französische und russische Offiziere genutzt, wobei einige Grausamkeiten (Genickschussanlagen) bekannt geworden sind. Auf dem Rückzug der deutschen Wehrmacht brannte die Burganlage in 1945 völlig aus. Mit einer Restaurierung wurde 1951 begonnen, doch mangels ausreichender Mittel ist diese bis heute noch nicht abgeschlossen. Jedoch können einige Teile der restaurierten Anlage besichtigt werden und aufgrund der hervorragenden geographischen Lage hat man einen wunderbaren Blick bis weit in die Tiefebene von Olomouc (Olmütz).

Als weitere touristische Sehenswürdigkeiten sind in der Umgebung von Rýmařov noch folgende Punkte zu nennen:

 Sehenswürdigkeiten

  • Ruine Burg Rabenstein in der Nähe des markanten Felsturms der Rabensteine

  • die “Rešover (Reschener) Wasserfälle“ – Fallhöhe 18 – 20 m

  • das Schloss in Velké Losiny (Groß Ullersdorf) in einem benachbarten Tal von Rýmařov, mit der Besonderheit, dass in diesem Ort seit dem Jahr 1596 bis heute in einer alten Papiermühle handgeschöpftes Büttenpapier in bester Qualität hergestellt wird

  • von besonderem Interesse ist im Gebiet des Stadtteil Tvrdkov (Ruda) der Stadt Horní Město (Bergstadt) ein wunderschöner restaurierter Kreuzweg mit übergroßen Sandstein-Statuen aus der Zeit von 1815

Land: Tschechische Republik
Region: Moravskoslezský kraj
Landkreis: Bruntál
Höhe: 555 m ü. NHN
Fläche: 6072,79 ha
Einwohner: 8.314 (01.01.2018)
Postleitzahl: 79201-79501
Vorwahl: 554
Bürgermeister: Herr Luděk Šimko

 (Quelle: Wikipedia)

Stadtverwaltung Rymarov
náměstí Míru 1
79501 Rýmařov
Tel.: 554 254 100
podatelna@rymarov.cz
www.rymarov.cz

Touristen Information der Stadt Rymarov
Tel.: 554 254 100
icko@inforymarov.cz
www.inforymarov.cz/de

Partnerschaftsverein Rymarov
Miroslav Slováček

 

Vorsitzender: Herr Miroslav Slováček
Stellv. Vorsitzende: Frau Anna Mezníková
Schriftführer: Herr Pavel Kolář
Schatzmeisterin: Frau Věra Sábová
Beisitzerin: Frau Růžena Zapletalová

Anmerkung: